Thesaurierende ETFs gelten als bequeme Lösung für den langfristigen Vermögensaufbau, da Erträge automatisch wieder angelegt werden. Steuerlich bedeutet das jedoch nicht, dass keine Kapitalertragsteuer anfällt. Dieser Beitrag erklärt, was Meldefonds und ausschüttungsgleiche Erträge für den österreichischen Sparplan bedeuten.
Gerade bei automatisierten ETF-Sparplänen, bei denen monatlich ein fixer Betrag investiert wird, lohnt sich ein grundlegendes Verständnis dieser steuerlichen Mechanismen, da sie über die gesamte Haltedauer hinweg jedes Jahr erneut relevant werden und nicht erst beim Verkauf der Anteile.
Thesaurierend vs. ausschüttend im Unterschied
Bei einem ausschüttenden ETF werden Dividenden und Zinsen regelmäßig an die Anlegerinnen und Anleger ausbezahlt. Ein thesaurierender ETF legt diese Erträge dagegen automatisch wieder im Fonds an, wodurch der Zinseszinseffekt ohne manuelles Reinvestieren genutzt werden kann.
Steuerlich entsteht dabei dennoch ein geldwerter Vorteil, der in Österreich jährlich besteuert werden muss, auch wenn kein Geld tatsächlich auf das Konto fließt.
Für die Wahl zwischen beiden Varianten spielt vor allem der persönliche Anlagestil eine Rolle: Wer Erträge ohnehin sofort wieder investieren möchte, spart sich beim thesaurierenden ETF den manuellen Zwischenschritt. Wer dagegen regelmäßig einen Teil der Erträge für laufende Ausgaben benötigt, etwa im Ruhestand, bevorzugt häufig die ausschüttende Variante, da hier tatsächlich Geld auf dem Verrechnungskonto verfügbar wird.
Was ein Meldefonds ist
Ein Meldefonds übermittelt die für die österreichische Besteuerung relevanten Kennzahlen regelmäßig an eine zentrale Meldestelle. Steuereinfache Broker wie Flatex Austria oder Dadat greifen auf diese Daten zu und berechnen die KESt auf ausschüttungsgleiche Erträge automatisch, ähnlich wie bei realisierten Kursgewinnen. Einen Überblick über solche Broker liefert der Vergleich von Dadat und Flatex.
Die Meldung erfolgt dabei durch den Fondsanbieter selbst, nicht durch den Broker: Der Fonds berechnet die steuerlich relevanten Kennzahlen gemäß den österreichischen Vorschriften und stellt sie über die zentrale Meldestelle allen angeschlossenen Brokern zur Verfügung. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dieser Mechanismus, dass die korrekte Besteuerung weitgehend automatisiert im Hintergrund abläuft, solange der gewählte ETF tatsächlich als Meldefonds registriert ist.
Ausschüttungsgleiche Erträge verstehen
Als ausschüttungsgleiche Erträge bezeichnet man jene Gewinne eines thesaurierenden Fonds, die wirtschaftlich bereits angefallen, aber nicht ausgezahlt wurden. Diese werden am Jahresende so behandelt, als wären sie tatsächlich ausgeschüttet worden, und entsprechend mit 27,5 % KESt belastet.
Bei einem Meldefonds erfolgt diese Berechnung automatisch über den Broker. Der steuerliche Vorteil eines thesaurierenden ETFs liegt damit vor allem im automatischen Reinvestment, nicht in einem Steueraufschub.
Ein verbreitetes Missverständnis ist die Annahme, thesaurierende ETFs würden die Besteuerung bis zum Verkauf vollständig aufschieben. Tatsächlich wird nur jener Anteil des Gesamtgewinns beim Verkauf nachversteuert, der nicht bereits zuvor als ausschüttungsgleicher Ertrag erfasst wurde. Die bereits versteuerten Beträge erhöhen dabei die steuerliche Anschaffungskostenbasis, sodass es im Ergebnis nicht zu einer Doppelbesteuerung derselben Erträge kommt.
Das Risiko bei Nicht-Meldefonds
Liegen für einen Fonds keine gemeldeten Daten vor, greift häufig eine pauschaleErsatzbemessungsgrundlage, die auf einer gesetzlichen Vermutung beruht und steuerlich ungünstiger ausfallen kann als die tatsächlichen Erträge. Vor dem Kauf eines wenig bekannten oder sehr spezialisierten ETFs lohnt sich daher ein Blick auf dessen Meldefonds-Status.
Gängige, breit gestreute ETFs großer Anbieter sind in aller Regel als Meldefondseingestuft, wodurch dieses Risiko in der Praxis selten relevant wird.
Besondere Vorsicht ist bei exotischeren Nischenprodukten, neu aufgelegten Fonds oder ETFs kleinerer, weniger bekannter Anbieter geboten, da diese den Meldefonds-Status unter Umständen erst mit zeitlicher Verzögerung erhalten. Wer in solche Produkte investieren möchte, sollte vor dem Kauf gezielt beim Broker oder direkt beim Fondsanbieter nachfragen, anstatt sich ausschließlich auf allgemeine Marketingunterlagen zu verlassen.
So erkennen Sie den Status im Depotauszug
Die meisten steuereinfachen Broker weisen ausschüttungsgleiche Erträge und die darauf entfallende KESt direkt im Jahressteuerbericht aus. Ein Blick in dieses Dokument zeigt schnell, ob und in welcher Höhe eine automatische Versteuerung bereits erfolgt ist.
Wer einen steuereinfachen Broker wie Flatex Austria nutzt, findet die entsprechenden Positionen üblicherweise übersichtlich aufgelistet, inklusive des bereits einbehaltenen KESt-Betrags. Details zum Angebot eines solchen Anbieters liefert der Beitrag zu den Flatex Austria Erfahrungen im Test.
Vor- und Nachteile thesaurierender ETFs
Der größte Vorteil liegt im automatischen Reinvestment: Anlegerinnen und Anleger müssen sich nicht selbst um die Wiederanlage von Dividenden kümmern, was insbesondere bei kleineren Sparplanbeträgen Zeit und Transaktionsaufwand spart. Zudem entfällt bei thesaurierenden Fonds das sogenannte Reinvestitionsrisiko, also die Gefahr, Erträge nur zu ungünstigen Kursen oder mit zeitlicher Verzögerung wieder anlegen zu können.
Als Nachteil gilt, dass die jährliche KESt-Pflicht auf ausschüttungsgleiche Erträge unabhängig vom tatsächlichen Geldfluss entsteht. Wer kein ausreichendes Guthaben auf dem Verrechnungskonto vorhält, sollte darauf achten, dass genügend liquide Mittel für den KESt-Abzug zur Verfügung stehen, insbesondere wenn gleichzeitig ein Sparplan in thesaurierende und ausschüttende Fonds kombiniert wird.
Checkliste vor dem ETF-Kauf
Vor dem Kauf eines thesaurierenden ETFs lohnt sich ein strukturierter Blick auf die folgenden Punkte:
- Ist der ETF als Meldefonds für Österreich eingestuft?
- Wie hoch sind die laufenden Kosten (TER) im Vergleich zu ähnlichen Produkten?
- Führt der gewählte Broker die KESt auf ausschüttungsgleiche Erträge automatisch ab?
- Passt der zugrunde liegende Index zur eigenen Risikostreuung und Anlagestrategie?
Bei breit gestreuten, etablierten Indizes großer Fondsanbieter ist der Meldefonds-Status in der Praxis fast immer unproblematisch. Schwieriger wird es bei sehr spezialisierten oder neu aufgelegten Fonds, bei denen sich eine gezielte Nachfrage beim Broker oder Fondsanbieter lohnt, bevor eine größere Summe investiert wird. Wer sich grundsätzlich noch zwischen verschiedenen steuereinfachen Brokern entscheiden möchte, findet im Beitrag Dadat vs. Flatex im Vergleich eine passende Gegenüberstellung.
Einen Gesamtüberblick über steuereinfache Depots und Neobanken in Österreich bietet der Hauptratgeber zu Finanz-Apps in Österreich.