Erste Bank und Raiffeisen gehören zu den größten Hausbanken Österreichs und bieten neben Girokonten auch klassische Wertpapierdepots an. Dieser Test zeigt, wie sich die Depotgebühren im Vergleich zu steuereinfachen Direktbrokern auswirken und wann sich die persönliche Beratung noch lohnt.
Depotgebühren bei Hausbanken
Hausbanken berechnen für die Depotführung häufig eine regelmäßige Pauschalgebühr sowie zusätzliche Entgelte je Transaktion. Diese Kosten dienen unter anderem zur Finanzierung des Filialnetzes und der persönlichen Beratung vor Ort.
Hinzu kommen bei vielen Hausbanken separate Entgelte für die Verwahrung von Fondsanteilen, für Depotauszüge in Papierform sowie teils für die Ausführung von Sparplänen. Diese Nebenkosten erscheinen einzeln oft gering, summieren sich über ein ganzes Depotjahr jedoch spürbar.
Erste Bank und George im Detail
Über die digitale Banking-Plattform George bietet die Erste Bank auch einen vereinfachten Zugang zum Wertpapierhandel an. Die Gebührenstruktur orientiert sich dabei weiterhin am klassischen Hausbank-Modell, bleibt jedoch für Gelegenheitsanleger übersichtlich gestaltet.
Für Kundinnen und Kunden, die bereits ein Girokonto bei der Erste Bank führen, kann die Integration von Zahlungsverkehr und Depot in einer App ein praktischer Vorteil sein, auch wenn dieser Komfort in der Regel mit höheren laufenden Kosten erkauft wird.
Positiv hervorzuheben ist, dass George auch Sparpläne für ETFs und Fonds direkt in der App abbildet, sodass Nutzerinnen und Nutzer nicht zwischen mehreren Anwendungen wechseln müssen. Allerdings lohnt sich ein genauer Blick auf die jeweilige Ausführungsgebühr pro Sparplanrate, da diese bei Hausbanken tendenziell höher ausfällt als bei spezialisierten Direktbrokern.
Raiffeisen Depot im Detail
Raiffeisen bietet regional unterschiedliche Depotmodelle an, da die einzelnen Raiffeisenbanken teilweise eigenständig agieren. Dadurch können sich Gebühren und Konditionen je nach Bundesland und gewählter Raiffeisenbank unterscheiden.
Diese regionale Struktur bedeutet in der Praxis, dass ein pauschaler Preisvergleich für „die“ Raiffeisenbank kaum möglich ist. Ein Blick in das Preis- und Leistungsverzeichnis der jeweils zuständigen, lokalen Raiffeisenbank ist daher vor Vertragsabschluss unerlässlich.
Wer bereits Kundin oder Kunde einer bestimmten Raiffeisenbank ist, sollte sich nicht allein auf allgemeine Erfahrungsberichte verlassen, sondern aktiv ein aktuelles Preisblatt anfordern. Nur so lässt sich die tatsächliche Kostenbelastung für das eigene Depot realistisch einschätzen, bevor eine Entscheidung für oder gegen einen Anbieterwechsel getroffen wird.
Kostenvergleich mit Direktbrokern
Im direkten Vergleich fallen die Depot- und Orderentgelte bei Direktbrokern wie Flatex Austria oder Dadat häufig niedriger aus, da diese auf ein physisches Filialnetz verzichten. Details zu den Konditionen eines solchen Anbieters zeigt der Beitrag zu Flatex Austria Erfahrungen im Test.
Auch beim direkten Vergleich zweier Direktbroker untereinander lohnt sich ein Blick ins Detail, etwa im Beitrag Dadat vs. Flatex im direkten Vergleich.
Wann eine Hausbank dennoch sinnvoll sein kann
Trotz höherer Gebühren kann ein Depot bei der Hausbank sinnvoll sein, wenn bereits eine enge Geschäftsbeziehung besteht, etwa im Zusammenhang mit einer Finanzierung oder komplexeren Vermögensstrukturen, bei denen persönliche Beratung einen echten Mehrwert bietet.
Für den reinen, langfristigen ETF-Vermögensaufbau mit regelmäßigen Sparraten überwiegen jedoch in den meisten Fällen die niedrigeren laufenden Kosten eines spezialisierten Direktbrokers.
Langfristige Auswirkung auf die Rendite
Bereits kleine prozentuale Unterschiede bei den jährlichen Gebühren summieren sich über einen langen Anlagehorizont erheblich. Neben der reinen Depotgebühr lohnt sich zudem ein Blick auf weitere Kostenfallen, wie sie der Beitrag zu versteckten Gebühren bei Fondssparplänen beschreibt.
Wer über Jahrzehnte regelmäßig spart, sollte den Gebührenvergleich daher nicht als einmalige Übung betrachten, sondern als wiederkehrenden Check, etwa einmal jährlich bei Erhalt der Jahresdepotabrechnung. So lassen sich stille Kostensteigerungen frühzeitig erkennen, bevor sie sich über viele Jahre im Endkapital niederschlagen.
Kostenfaktoren im Überblick prüfen
Vor einer Entscheidung für oder gegen ein Hausbank-Depot lohnt sich ein strukturierter Vergleich der folgenden Kostenpunkte:
- Depotführungsgebühr pro Jahr oder Quartal
- Orderentgelt je Kauf- und Verkaufstransaktion
- Zusätzliche Entgelte für Sparplanausführungen
- Kosten für Fremdwährungsumrechnung bei ausländischen Wertpapieren
- Entgelte für Papier-Depotauszüge oder postalische Zusendungen
Wer diese Punkte systematisch zwischen Hausbank und Direktbroker gegenüberstellt, erhält ein deutlich realistischeres Bild der tatsächlichen Gesamtkosten, als es ein reiner Blick auf die beworbene Orderpauschale ermöglichen würde.
Hilfreich ist zudem, die ermittelten Kostenpunkte für einen typischen Anlagebetrag beispielhaft durchzurechnen, etwa für eine monatliche Sparrate über einen Zeitraum von zehn Jahren. So wird der kumulierte Kostenunterschied zwischen Hausbank und Direktbroker greifbarer als ein reiner Vergleich einzelner Gebührenpositionen.
So gelingt der Wechsel zum Direktbroker
Ein Depotübertrag von der Hausbank zu einem Direktbroker läuft in der Regel über den neuen Anbieter: Dieser beantragt die Übertragung der bestehenden Positionen direkt bei der abgebenden Bank, wodurch ein steuerlich relevanter Verkauf vermieden wird.
Wichtig ist, vor dem Übertrag die bestehenden Anschaffungsdaten zu dokumentieren, damit die künftige KESt-Berechnung beim neuen Broker lückenlos fortgeführt werden kann. Einen Gesamtüberblick über alle steuereinfachen Broker und Neobanken bietet der Hauptratgeber zu Finanz-Apps in Österreich.
Wer sich für einen schrittweisen Wechsel entscheidet, kann zunächst neue Sparraten über den günstigeren Direktbroker laufen lassen und bestehende Positionen erst später übertragen. So lässt sich der Umstieg entspannt gestalten, ohne den laufenden Vermögensaufbau zu unterbrechen.