Neobanken wie N26, Revolut und bunq zählen zu den beliebtesten Finanz-Apps in Österreich für Alltag und Auslandszahlungen. Dieser Vergleich zeigt Stärken und Schwächen der drei Anbieter und erklärt, warum sie ein steuereinfaches Wertpapierdepotnicht vollständig ersetzen können.
Was sind Neobanken?
Neobanken sind digitale Finanzdienstleister ohne klassisches Filialnetz, die ihre Dienstleistungen vollständig über eine App anbieten. Sie punkten meist mit schneller Kontoeröffnung, transparenten Gebühren und günstigen Konditionen bei Fremdwährungstransaktionen.
Die Kontoeröffnung erfolgt in der Regel vollständig online über eine Video-Identifikation, ohne dass ein Besuch in einer Filiale notwendig ist. Dies macht Neobanken besonders für Grenzgänger, Expats und Vielreisende attraktiv, die ein flexibles Konto ohne lange Bearbeitungszeiten suchen.
N26 im Vergleich
N26 bietet ein einfach zu bedienendes Girokonto mit Budget-Funktionen und einer soliden Anbindung an österreichische Gehaltskonten. Für reine Alltagszahlungen und einen Überblick über Ausgabenkategorien ist die App bei vielen Nutzern beliebt.
Die integrierten Kategorisierungs- und Statistikfunktionen helfen dabei, laufende Ausgaben nach Kategorien wie Miete, Lebensmittel oder Freizeit zu ordnen, was die monatliche Budgetplanung erleichtert.
Revolut im Vergleich
Revolut punktet vor allem bei häufigen Fremdwährungstransaktionen mit Wechselkursen nahe am Interbankenkurs sowie zusätzlichen Funktionen wie virtuellen Karten und einfachen Sparfunktionen. Für Vielreisende und Grenzgänger kann dies spürbare Kostenvorteile bringen.
Darüber hinaus bietet Revolut gestaffelte Kontomodelle mit unterschiedlichem Funktionsumfang an, von einem kostenlosen Basiskonto bis zu kostenpflichtigen Paketen mit zusätzlichen Versicherungsleistungen oder höheren Freibeträgen beim Geldabheben im Ausland.
bunq im Vergleich
bunq richtet sich an Nutzer, die Wert auf Nachhaltigkeit und flexible Unterkonten legen. Die Gebührenstruktur unterscheidet sich teils deutlich von N26 und Revolut, weshalb sich ein individueller Vergleich je nach Nutzungsverhalten lohnt.
Ein charakteristisches Merkmal von bunq sind die frei konfigurierbaren Unterkonten, mit denen sich einzelne Sparziele oder Budgetbereiche sauber voneinander trennen lassen, ohne dafür mehrere separate Bankverbindungen zu benötigen.
Warum Neobanken kein Depot ersetzen
Trotz teils vorhandener Investmentfunktionen bieten Neobanken selten ein vollwertiges Wertpapierdepot mit automatischer Abfuhr der österreichischen Kapitalertragsteuer (KESt). Für den langfristigen Vermögensaufbau empfiehlt sich daher ein zusätzliches, steuereinfaches Depot bei einem Anbieter wie Flatex Austria, siehe Flatex Austria Erfahrungen im Test.
Hinzu kommt, dass bei im Ausland lizenzierten Investmentfunktionen innerhalb einer Neobank häufig keine automatische KESt-Abfuhr erfolgt, sodass realisierte Gewinne eigenständig in der Steuererklärung angegeben werden müssen. Wer diesen zusätzlichen administrativen Aufwand vermeiden möchte, fährt mit einem steuereinfachen österreichischen Direktbroker in der Regel einfacher.
Gebühren und Kartenkonditionen im Alltag
Neben den reinen Kontoführungsgebühren unterscheiden sich Neobanken auch bei den Konditionen für Kartenzahlungen, Fremdwährungsumrechnung und kostenlosen Freibeträgen beim Bargeldabheben. Kostenlose Basiskonten enthalten meist ein begrenztes monatliches Freikontingent, während erweiterte, kostenpflichtige Kontomodelle zusätzliche Versicherungsleistungen oder höhere Freibeträge bieten.
Für Vielreisende und Grenzgänger kann sich ein kostenpflichtiges Kontomodell trotz der monatlichen Gebühr rechnen, sofern die eingesparten Wechselkurs- und Abhebungsgebühren die Zusatzkosten übersteigen. Ein individueller Vergleich anhand des eigenen Nutzungsverhaltens ist hier sinnvoller als eine pauschale Empfehlung.
Einlagensicherung bei Neobanken
Da Neobanken häufig aus anderen EU-Ländern operieren, unterliegen Einlagen meist der dort zuständigen Einlagensicherung und nicht zwingend der österreichischen FMA. Vor der Kontoeröffnung lohnt sich daher ein Blick auf Sitzland und Lizenz des Anbieters.
In der Praxis bedeutet dies, dass im Falle einer Bankenpleite die Entschädigung über das Einlagensicherungssystem des jeweiligen Lizenzlandes abgewickelt wird, was gegebenenfalls andere Fristen oder Meldewege als bei einer österreichischen Bank mit sich bringen kann. Eine Prüfung der aktuellen Lizenzsituation vor Kontoeröffnung schafft hier zusätzliche Sicherheit.
Worauf Sie bei der Wahl der Neobank achten sollten
Neben dem reinen Gebührenvergleich lohnt sich ein Blick auf weitere praktische Kriterien:
- Verfügbarkeit eines deutschsprachigen Kundenservice
- Unterstützung von Google Pay, Apple Pay oder vergleichbaren Zahldiensten
- Anzahl und Flexibilität der verfügbaren Unterkonten oder Sparziele
- Transparenz der Wechselkurse bei Fremdwährungstransaktionen
- Reaktionsgeschwindigkeit bei gesperrten Karten oder verdächtigen Transaktionen
Wer regelmäßig im Ausland unterwegs ist oder in Fremdwährung bezahlt, sollte diesen Kriterien besonderes Gewicht beimessen, da sich hier die größten praktischen Unterschiede zwischen den Anbietern zeigen.
Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf Erfahrungsberichte anderer Nutzer in unabhängigen Quellen, da sich die Qualität des Kundenservice und die Reaktionszeit bei Problemen in der Praxis oft deutlicher zeigen als in der offiziellen Produktbeschreibung des jeweiligen Anbieters.
Neobank und Direktbroker sinnvoll kombinieren
Eine praxisnahe Aufteilung sieht die Neobank für Alltagszahlungen, Reisen und kurzfristige Rücklagen vor, während der langfristige Vermögensaufbau über ein steuereinfaches ETF-Depot erfolgt. So lassen sich die jeweiligen Stärken beider Kontotypen kombinieren, ohne auf die automatische KESt-Abfuhr eines österreichischen Brokers zu verzichten. Einen Gesamtüberblick über steuereinfache Broker und Neobanken bietet der Hauptratgeber zu Finanz-Apps in Österreich.
Wichtig ist dabei, die Neobank nicht versehentlich als dauerhaften Aufbewahrungsort für größere Rücklagen zu nutzen, sondern regelmäßig überschüssige Guthaben auf das steuereinfache Depot oder ein verzinstes Tagesgeldkonto zu übertragen. So bleibt das Kapital langfristig arbeitend angelegt, anstatt unverzinst auf einem reinen Zahlungsverkehrskonto zu liegen.